Die Frauenbremse: Der Onlinehandel hat ein hausgemachtes Männerproblem, dessen Konsequenz auf weit über 2 Mrd. Euro liegengelassenem Umsatz beziffert werden könnte. Jährlich wohlgemerkt („Wie sehr frauen beim Online-Shoppen ausgebremst werden“).
Wie lassen sich Frauen besser für das Online-Shopping begeistern und wie kann man die Ansprache dementsprechend sinnvoller gestalten?
Max Müller und Benjamin Günther haben auf der K5-Konferenz („Stylight: Ein Fashion-Netzwerk“) ihr Stylight-Heartbeat-Konzept vorgestellt: Simpel und minimalistisch.
Und eben weil es so simpel und minimalistisch ist, hat Stylight Potential ein Fashion-Netzwerk zu werden, und nicht „nur“ ein Mode-Empfehlungsdienst. Die Idee ist nicht neu und auch schon anderweitig umgesetzt worden. Und gerade an Mode-Empfehlungsdiensten zeigt sich, wie man die modebewusste, weibliche Zielgruppe am besten ansprechen könnte: Emotional, minimalistisch mit einer guten Anbindung zum Kern des Ganzen – Mode.
„What makes your ♥ beat?“ von Stylight kombiniert in der Ansprache das Love-it-Prinzip und das Credo “From search to discovery”, das auch im heutigen Mode-Onlinehandel noch extrem unterbewertet ist.
Stylight steht am Anfang eines E-Commerce-Design-Trends, der zunehmend aus der weiblichen Brille gesehen wird, siehe deren Anmeldeseite. Diese spannenden Ansprachehebel werden wir in der kommenden Woche noch einmal explizit vorstellen:
Und so profan das auch klingen mag, aber das ist der wesentliche Unterschied zu anderen Mode-Empfehlungsdiensten wie svpply.com, nuji.com, lyst.com oder fashiolista.com: Das Granulare, die Feinheit in der Ansprache mit Text und Bildern. Alle Dienste können im Groben dasselbe (funktional) und fahren (teilweise) identische Modelle. Das Stylight-Team, das vor allem mit Mode-Bloggerinnen zusammenarbeitet, hat es in seinem Vortrag auf der K5 auf den Punkt gebracht: Features in Maßen, wichtiger ist eine Einfachheit und eine Ansprache, die modeorientiert ist. Und das funktioniert über Gefallen und Emotionen.
Svpply.com gehen einen ähnlich attraktiven Weg wie Stylight: „Find products you love through the people you know“:
Nuji.com geht in seiner Ansprache schon einen Schritt weiter (Fashion-Netzwerk), allerdings ist auch hier wiederum die weibliche Note unterpräsentiert („Start your social wish list“):
Auch bei lyst.com fehlt die emotionale Ansprache auf der Seite komplett, eine Message, die hängenbleibt sucht man hier vergeblich. Dennoch an sich ein interessantes Ansprache-Konzept:
Fashiolista.com sieht konzeptionell nach einer Männerhand aus und kann sich nicht zwischen Onlineshop und Empfehlungsdienst entscheiden. Das wird deutlich an den Marken-Angebot über dem Footer. Das ist „Search“ und nicht „Discovery“:
Es bleibt zu fragen, wer von diesen Mode-Empfehlungsdiensten wirklich das Zeug zu einem Fashion-Netzwerk hat, wer neben Polyvore wirklich eine Chance hat und wer am besten den Begeisterungsfaktor bei Frauen wecken kann. Diese Wege führen mittlerweile vor allem über die richtige Ansprache und die richtige Platzierung von wenigen Features, die wirklich für modebewusste Frauen geeignet sind. Features, die an die Online-Intelligenz von Frauen heranreichen können. Das ist eines der konkreten Männerprobleme im Onlinehandel. Ein Problem, das man lösen kann, das aber mehr Mut und mehr weiblichen Einfluss verlangt.

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