Nach Einschätzung von eBay-Manager Steve Yankovich wird das iPad den Online-Handel beflügeln. Eine ähnliche ECommerce-Entwicklung prognostiziert nun auch Argonauten-COO Kai Löhde in einem lesenswerten Gastbeitrag bei Kress:
"Shopping ist eine mir zutiefst fremde Art und Weise, Einkäufe zu tätigen. Denn ich weiß fast immer vorher, was ich wo zu welchem Preis kaufen werde. Daher ist mir der Begriff "Einkaufsbummel" auch vollkommen unverständlich. Man bummelt nicht beim Einkaufen, sondern geht zielstrebig dorthin, wo man das Kaufobjekt zu finden wähnt. Und weil Innenstädte am Samstag überfüllt sind, kauft man lieber bequem im Internet. Da findet man ehedem alles schneller. Wenn man weiß, was man will.
Sämtliche Front-Ends sind heute so konzipiert, dass sie die Suche der User vereinfachen. Spezielle Fachbereiche wie User Experience und Informationsarchitektur haben sich darum entwickelt. Milliardenschwere Geschäftsmodelle wie Google, Yahoo, Bing und viele andere ranken sich um das Thema Suche im Internet. Neue Disziplinen wie Search Engine Optimization oder Search Engine Marketing haben ihren Einzug in die Welt des Marketings gehalten. Immerhin resultieren doch mehr als 80% aller Onlineverkäufe auf konkreten Suchanfragen.
Aber entstehen Konsumentenwünsche mit einem Suchwort? Sicherlich nicht. Das Suchwort führt uns im Idealfall nur zur Lösung eines Problems, zur Möglichkeit der Befriedigung eines Bedürfnisses bzw. Erfüllung eines Bedarfs. Aber um etwas finden zu können, muss man zunächst wissen, was man will."
Ein klassischer Einkaufsbummel findet daher online nur selten statt:
"Shopping heißt kennenlernen, erfahren und inspiriert werden. Wir erleben das Produkt, die Marke – zumeist in entspannter Atmosphäre ohne Zeitdruck – wir probieren aus und stellen uns vor, wie wir es wann nutzen. Warum geschieht all das so nicht im Internet? Die technischen Möglichkeiten, ein inspiratives, involvierendes Shoppingerlebnis in der digitalen Welt zu entwickeln, werden von Tag zu Tag ausgereifter. Und doch sehen die meisten Online-Shops aus wie Amazon und alles Inspirative verbirgt sich hinter Rubrikreitern wie "Stöbern" oder Sortierfunktionen wie "Neueste…".
Die neue Geräte-Generation der Tablet-PCs aber kann nun der visuell doch wenig überraschenden E-Commerce-Landschaft frische Impulse verleiten:
"Wer sich heute in die Ecke oder an den Schreibtisch zurückzieht, an dem der Computer fest installiert ist, selbigen anstellt, hochfährt, eine Internetverbindung herstellt und schließlich den Browser aufruft, unternimmt diese vorgeschalteten Arbeitsschritte zumeist, weil er zu den Usern gehört, die wissen, was sie suchen.
Diese User wünschen sich bei der Suche kaum Inspiration. Sie wollen finden! Und die anderen? Die, die nicht wissen, was sie suchen? Die werden sich kaum die Mühe machen, für vermeintlich nichts das Arbeitsgerät anzuwerfen. Nichts anderes als ein unbewegliches Arbeitsgerät mit Zugang zum Internet ist der Computer für die meisten von uns heute.
Wäre der Zugang zur digitalen Infrastruktur einfacher und mobiler, würden ihn auch mehr Menschen nutzen, die nicht gerade nach Produkten sondern lediglich Unterhaltung suchen. Das Laptop bzw. das Netbook mag ein erster Schritt in Richtung Beweglichkeit gewesen sein. Aber erst die Entkoppelung der "Arbeit" vom fest installierten Computer in Richtung "Unterhaltung" auf ein mobiles Gerät macht beim iPad den Unterschied."
Aus diesem Grund sei es auch so vielversprechend, Online-Shops als eine Art Shopping-Magazin (s. App von Net-a-Porter) auf das iPad zu bringen:
"Unlängst beobachtete ich auf einem Urlaubsflug meine neben mir sitzende Ehefrau, wie sie eine Modezeitschrift durchblätterte und dabei an mancher Stelle im Heft ein Eselsohr in die Seiten machte. Auf die Frage, warum sie die Seiten knicke, antwortete sie mir, dass sie an diesen Stellen ein paar anregende Dinge gefunden hätte, die sie sich später einmal im Internet ansehen und vielleicht dort oder im Laden kaufen würde.
Meine Frau zog also die Ausgabe der Modezeitschrift als Inspirationsquelle zu Rate, weil die Inhalte ansprechend aufgemacht waren und sich nicht auf eine reine Produktabbildung mit kurzer Beschreibung reduzierten. Das iPad-Konzept dürfte sdaher ehr bald für ein radikales Umdenken in der digitalen Infrastruktur sorgen.
Nicht länger die Suche nach Produkten, Dienstleistungen oder Informationen, sondern die nach Unterhaltung und Inspiration steht im Vordergrund. Der User sucht hiermit nicht länger angestrengt im Datenmeer, sondern er treibt mit der Hilfe des iPads leichterdings darüber.
Die Anforderung an die datengetriebene Intelligenz im Netz lautet also nicht länger mehr allein: "Finde was ich suche!", sondern viel mehr: "Finde, was mich inspiriert!"
Der Beitrag bringt viele Punkte zur Sprache, die wir selbst kaum besser formulieren könnten. Umso erfreulicher daher, dass - wenn auch nach einer gewissen Anlaufzeit - immer mehr Shopbetreiber das Potenzial von iPad & Co. entdecken. Gerade in den vergangenen Tagen sind einige neue Shopping-Apps veröffentlicht worden, die wir diese Woche auf twive! noch vorstellen werden.
Übrigens: Drüben im Carpathia-Blog hat sich Thomas Lang ebenfalls ein paar spannende Gedanken zum Tablet-Commerce gemacht (s. PDF-Download).
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